Beware the Bear | Krav Maga Tactics – München – Krav Maga Global
Beware the Bear

Haben Sie jemals gesehen, wie sich zwei Boxer im Ring vor dem Kampf anstarren? Warum glauben Sie tun sie das? Sie versuchen sich gegenseitig psychisch einzuschüchtern. Zwei simple Aussagen werden gemacht. Die Eine heißt: „Ich habe keine Angst vor Dir“, und die Andere: „Ich werde Dich fertig machen!“. Diese Vorgehensweise kann auch als „den Gegner psychologisch fertig machen“ umschrieben werden.Dieses Beispiel illustriert auf einfache Weise die psychologische Interaktion zwischen zwei Personen, die sich in einem Kampf befinden, oder kurz davor stehen. Allerdings passiert in einer solchen Situation mehr, als das Auge sehen kann. In einem wirklichen Kampf geht es nicht nur darum, wer am Ende die Arme nach oben streckt, sondern wer in einem Sarg landet. Eine wichtige, wenn nicht die primäre Rolle spielt der Geist, wenn es darum geht eine lebensbedrohliche Begegnung zu überleben.

Der König der Raubtiere in Nordamerika ist der Grizzlybär. Ein 400-Kilogramm Koloss aus Zähnen, Klauen und Muskeln. Er kann einen 350-Kilogramm schweren Elch mit einem Schlag töten und fürchtet keine andere Tierart. Doch gibt es ein Tier, das den Grizzlybär töten kann und wird. Welches Tier könnte das sein? Ein 200-Kilogramm leichterer weiblicher Grizzlybär. Wie kann das möglich sein? Das Männchen wiegt 200-Kilogramm mehr als das Weibchen und ist größer, gemeiner und stärker! Dann, wenn das Weibchen seine Jungen verteidigt. Wie Sie wissen, töten Männchen in der freien Wildbahn häufig die Nachkommen anderer Männchen, um ihre eigenen Gene weiterzugeben.
Wie kann also ein weiblicher Bär, der im Vergleich ein Zwerg ist, ein Männchen töten? Hier greifen mehrere entscheidende Dynamiken, die dem Weibchen in der Summe den Vorteil geben.
Diese sind: Sie kämpft, um das Männchen zu töten (Sinn und Zweck), sie kämpft ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit (Verlust der Selbstkontrolle) und sie kämpft bis zum Tod (wilde Entschlossenheit).

Sinn und Zweck:

Wenn das Weibchen von einem Grizzlybär wegen Essen, Revier oder einem anderen Grund angegriffen wird, wird das Männchen das Weibchen leicht unterwerfen, vertreiben oder töten können.
Wo ist der Unterschied? Selbe Bären, selber Kampf – aber kein Zweck. Der Unterschied ist deutlich zu sehen. Sie hat nichts, worum sie kämpft. Es gibt keinen Sinn und Zweck zu kämpfen. Sie will das Männchen nicht verletzen oder töten. Sie kann immer woanders Nahrung oder ein neues Revier finden. In diesem Fall dominiert das Männchen den anderen Bär körperlich und psychologisch.
Genau wie beim Menschen, der nach wie vor animalisches Verhalten hat, muss es einen Zweck geben für den man kämpft, sonst ist das Herz nicht bei der Sache. Dieser Sinn, egal ob es darum geht seine Kinder, seine Lieben, seinen Partner, seine Mitspieler oder den Soldaten neben sich zu schützen, ist ein wesentliches Element im Überleben gegen alle Widerstände. Dieser Zweck kann auch durch weniger greifbare, aber manchmal ebenso wichtige Gründe wie Religion, Patriotismus und moralische Gerechtigkeit ersetzt werden.
Der sicherlich stärkste Grund ist die Selbsterhaltung. Aber, was auch immer der Grund ist, es muss einen Grund geben.
Denn, wo es einen Grund gibt, gibt es auch ein Ziel. Und dieses Ziel muss es sein, sich gegen Gewalttätigkeit zur Wehr zu setzen. Wenn Sie kämpfen müssen, müssen Sie kämpfen um zu gewinnen.
Im Krav Maga spricht man dabei von „switch on“, legen Sie den Schalter vom zivilisierten Menschen zum Kämpfer um. „Switch on“ kann aber auch in abgeschwächter Form bedeuten, sich seiner Umwelt bewusst zu sein, wenn Sie Ihr sicheres Heim verlassen. Aber, falls Sie in einen realen, brutalen Kampf verwickelt werden bleibt Ihnen vielleicht keine zweite Chance, wenn Sie mehrfach mit einem Messer gestochen, einer Eisenstange geschlagen oder erschossen wurden. So, wie der weibliche Grizzlybär mit unbändiger Wut und der Entschlossenheit den Gegner zu töten, wenn es sein muss, in den Kampf zieht um ihre Jungen zu verteidigen, müssen Sie um Ihr Leben kämpfen.
Um dies zu verdeutlichen stellen Sie sich folgendes Beispiel vor: Gehen Sie zu Ihrer Stereoanlage, schalten Sie sie an und drehen sie langsam die Lautstärke höher. Ein zweites Mal drehen Sie zuerst die Lautstärke maximal auf und schalten dann die Anlage an. Gegen echte, rohe Gewalt gibt es nicht die Möglichkeit langsam die Lautstärke zu erhöhen, um einen Angreifer abzuwehren. Sie müssen ihn mit voller Lautstärke treffen und drehen dann die Lautstärke runter, so wie es die veränderte Situation moralisch, als auch rechtlich gebietet. Manchmal wird ein Kampf durch das Ballen der Fäuste schon beendet, bevor er begonnen hat. Wenn Sie die Entschlossenheit haben den „ganzen Weg“ zu gehen, wird Ihr Gegner diese psychologische Nachricht verstehen. Ihre Aktion spricht klar und deutlich, ohne dass ein Wort gesagt wurde.

Verlust der Selbstkontrolle:

Der zweite Aspekt im psychologischen Kampf ist das, was die japanischen Samurai „Selbstverlust“ nannten. Dies bedeutet, dass man um zu kämpfen (wirklich kämpfen, mit allem was man hat, ohne Zögern, ohne Zurückhaltung) keine Rücksicht auf eigene Verletzungen oder Schaden nehmen kann. Warum war dies so wichtig für die Samurai? Wenn zwei Gegner in einem tödlichen Kampf mit Rasierklingen-scharfen Schwertern kämpfen kann es kein Zögern, keine zweite Chance oder Angst vor einem Schnitt geben. „Derjenige, der zögert, ist verloren“ trifft definitiv auf einen tödlichen Kampf zu. Dieses psychologische Phänomen ist allerdings nicht auf die Zeit der Samurai beschränkt. Denken Sie an die Großmutter, die ein Auto anhebt, um ihren eingeklemmten Enkel zu retten. Hier gibt es kein „Ich kann das Auto nicht anheben.“, oder „Das ist zu schwer für mich.“. Hier gibt es kein „ich, ich, ich“, hier gibt es nur ein „HEB DAS AUTO AN!“. Man könnte es auch den „Superman-Moment“ nennen. Und wir alle haben diesen Superman in uns, vielleicht haben Sie ihn noch nie gebraucht, aber glauben Sie an seine Existenz.

Wilde Entschlossenheit:

Die Dritte und sehr wichtige Komponente im Kampf der Willensstärke ist der Kampf bis zum Tod – wilde Entschlossenheit. Wenn die Grizzlybärin ihre Jungen verteidigt wird sie bis zum Tod kämpfen. Sie wird bewusst ihr Leben opfern, um ihre Babys zu retten. Dies ist die „kein Aufgeben, kein Rückzug“-Mentalität, welche Ihnen die unbändige Entschlossenheit eines eingeengten wilden Tieres gibt. Der männliche Grizzly spürt diesen Geisteszustand, was dem Weibchen einen großen psychologischen Vorteil verschafft. Das Wissen, dass Sie bis zum Tod kämpfen würden ist ein kraftvoller Zaubertrank. Viele von uns werden nie wissen, ob sie bis zum Tod kämpfen würden oder könnten. Das zeigt uns zum Glück, dass unsere Gesetze, unser System und unsere individuellen moralischen und ethischen Grundsätze gut funktionieren.
Doch gibt es auch mitten unter uns Menschen, die es beabsichtigen uns zu schaden. Und sie werden es in die Tat umsetzen, wenn sie die Gelegenheit haben. Vielleicht sind Sie jemand, dessen Weg nie von derartig Bösem gekreuzt wird, dann können Sie sich glücklich schätzen.
Aber für die Krieger, die die Gefahr sehen, wo andere blind sind, gibt es keinen Zweifel an der Frage, ob sie bis zum Tod kämpfen würden. Sie kennen die Antwort bereits.
In einer konventionellen Konfrontation, in den kurzen Sekunden vor dem ersten Schlag, hat der Kampf der Köpfe bereits begonnen und der Kampf des Willens ist im vollen Gange. Im Falle eines überraschenden Angriffs oder Hinterhalts beginnt der psychische Kampf simultan mit der physischen Auseinandersetzung, trotzdem findet er während der gesamten Konfrontation statt.
In jedem Fall, wenn alle anderen Faktoren (Größe, Stärke und Geschicklichkeit) gleich sind, wird der Kämpfer mit dem psychologischen Vorteil gewinnen. Und in vielen Fällen, in welchen der Gegner größer, stärker und geschickter ist, wird derjenige mit der größten Entschlossenheit, der größten Willenskraft den Kampf für sich entscheiden.
Wenn Ihr Gegner spürt, dass er gegen einen wahren Krieger kämpft, dessen Maxime die Folgenden sind: „Ich kämpfe für einen gerechten Zweck. Ich werde dich töten, wenn es sein muss. Es ist mir egal, was mit mir passiert und ich kämpfe bis zum Tod.“, wird er sofort wissen, welchen Preis er für seinen Fehler zahlen muss. In diesem Moment ahnt er, dass er sich mit einem  2,5-Meter-großen Grizzlybär angelegt hat, seine Entschlossenheit wird bröckeln und Sie werden sich durchsetzen.
In sehr vielen Fällen bestimmt der Kampf der Köpfe den Ausgang des Kampfs der Fäuste. Um zu gewinnen müssen Sie bewaffnet und bereit sein an beiden Fronten zu kämpfen. Denken Sie daran niemals einen Kampf für den anderen zu vernachlässigen.

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