Hast Du jemals gesehen, wie sich zwei Boxer im Ring vor dem Kampf anstarren? Warum glaubst Du tun sie das? Sie versuchen sich gegenseitig psychisch einzuschüchtern. Zwei simple psychologische Aussagen werden getroffen. Die Eine heißt: „Ich habe keine Angst vor Dir“, und die Andere: „Ich werde dich fertig machen!“. Diese Vorgehensweise kann auch vereinfacht als “den Gegner psychologisch dominieren” umschrieben werden.

Dieses Beispiel illustriert auf einfache Weise die psychologische Interaktion zwischen zwei Personen, die sich in einem Kampf befinden, oder kurz davor stehen. Allerdings passiert in einer solchen Situation mehr, als das Auge sehen kann. In einem realen Kampf geht es nicht darum, wär am Ende unter Applaus die Arme nach oben streckt, sondern wär möglichst unbeschadet nach Hause kommt. Wenn es darum geht eine lebensbedrohliche Begegnung zu überleben, spielt die geistige Einstellung eine wichtige, wenn nicht die primäre Rolle.

Lass mich dies am Beispiel des Grizzlybären verdeutlichen. Der König der Raubtiere in Nordamerika ist der Grizzlybär. Ein 400-Kilogramm Koloss aus Zähnen, Klauen und Muskeln. Er kann einen 350-Kilogramm schweren Elch mit einem Schlag töten und fürchtet keine andere Tierart. Doch es gibt ein Tier, das den Grizzlybär töten kann und wird, wenn es um Leben und Tod geht. Welches Tier könnte das sein? Ein 200-Kilogramm leichterer weiblicher Grizzlybär! 

Wie kann das möglich sein? Das Männchen wiegt 200-Kilogramm mehr als das Weibchen und ist größer, gemeiner und stärker. Die Antwort ist ein Weibchen, welches seine Jungen verteidigt. Wie Du sicherlich weißt, töten Männchen in der freien Wildbahn des Öfteren die Nachkommen anderer Männchen, um ihre eigenen Gene weiterzugeben. Wie kann also ein weiblicher Bär, der im Vergleich ein Zwerg ist, ein Männchen töten? Hier greifen mehrere entscheidende Dynamiken, die der Krav-Maga-Bärin in der Summe den Vorteil geben.

Vorteile der körperlich unterlegenen Krav-Maga-Bärin im Kampf:

  1. sie kämpf, um das Männchen zu töten (Sinn und Zweck)
  2. sie kämpft ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit (Verlust der Selbstkontrolle)
  3. sie kämpft bis zum Tod (wilde Entschlossenheit) 

Sinn und Zweck

Wenn das Weibchen von einem Grizzlybär wegen Nahrung, Revier oder einem anderen Grund angegriffen wird, wird das Männchen das Weibchen leicht unterwerfen, vertreiben oder töten können. Wo ist der Unterschied? Selbe Bären, selber Kampf – aber kein Zweck. Der Unterschied ist deutlich zu sehen. Die Bärin kämpft um nichts Exklusives und somit fehlt der Zweck. Sie will das Männchen nicht verletzen oder töten. Sie kann immer woanders Nahrung oder ein neues Revier finden. In diesem Fall dominiert das Männchen die Bärin körperlich und psychologisch. Genau wie beim Menschen, der nach wie vor auch durch animalisches Verhalten gesteuert wird, muss es einen Zweck geben für den man kämpft, sonst ist das Herz nicht bei der Sache. Dieser Sinn, egal ob es darum geht seine Kinder, seine Lieben, seinen Partner, seine Mitspieler oder den Soldaten neben einem zu schützen ist ein wesentliches Element im Überleben gegen alle Widerstände. Ein solcher Zweck kann auch durch weniger greifbare, aber manchmal ebenso wichtige Gründe wie Recht, Patriotismus, Religion oder moralische Gerechtigkeit zu Stande kommen. Manchmal ist es jedoch nur der Selbsterhaltungstrieb. Was auch immer Grund ist, es muss einen Grund geben. Denn wo es einen Grund gibt, gibt es auch ein Ziel. Und das Ziel muss es sein, sich gegen Gewalttätigkeit zur Wehr zu setzen. Wenn Du kämpfen musst, musst Du kämpfen um zu gewinnen.

Im Krav Maga sprechen wir dabei von „switch on“, leg den Schalter vom zivilisierten Menschen zum Kämpfer um. „Switch on“ kann aber auch in abgeschwächter Form bedeuten, sich seiner Umwelt bewusst zu sein sobald man das sichere Heim verlässt. Falls Du aber in einen brutalen Kampf verwickelt wirst, bleibt Dir vielleicht keine zweite Chance. So wie der weibliche Krav-Maga-Bär mit unbändiger Wut und Entschlossenheit in den Kampf zieht, um seine Jungen zu verteidigen, musst Du um dein Leben kämpfen.

Um dies zu verdeutlichen stell Dir das folgendes Beispiel vor: Du gehst zu deiner Musikanlage, schaltest sie ein und drehst langsam die Lautstärke höher. Ein zweites Mal drehst Du zuerst die Lautstärke maximal auf und schaltest dann die Anlage ein. Gegen echte, rohe Gewalt gibt es nicht die Möglichkeit langsam die Lautstärke zu erhöhen, um einen Angreifer abzuwehren. Du musst ihn mit voller Lautstärke treffen und dann drehst Du die Lautstärke runter, so wie es die veränderte Situation moralisch, als auch rechtlich gebietet. Manchmal wird ein Kampf schon durch das “Zähne zeigen” in der Vorkampfphase gewonnen. Wenn Du die Entschlossenheit hast den “ganzen Weg” zu gehen, wird dein Gegner diese psychologische Nachricht verstehen. Deine Aktion spricht dann klar und deutlich, ohne dass ein Wort gewechselt wurde.

Verlust der Selbstkontrolle

Der zweite Aspekt im psychologischen Kampf ist das, was die japanischen Samurai „Selbstverlust“ nannten. Dies bedeutet, dass man um zu kämpfen (wirklich kämpfen, mit allem was man hat, ohne Zögern, ohne Zurückhaltung) keine Rücksicht auf eigene Verletzungen oder Schaden nehmen kann. Warum war dies so wichtig für die Samurai? Wenn zwei Gegner in einem tödlichen Kampf mit Rasierklingen-scharfen Schwertern kämpfen kann es kein Zögern, keine zweite Chance oder Angst vor einem Schnitt geben. „Derjenige der zögert ist verloren“ trifft definitiv auf einen tödlichen Kampf zu. Dieses psychologische Phänomen ist allerdings nicht auf die Zeit der Samurai beschränkt.
Denke an die Großmutter, die ein Auto anhebt, um ihren eingeklemmten Enkel zu retten. Hier gibt es kein „ich kann das Auto nicht anheben“, oder „das ist zu schwer für mich“. Hier gibt es kein „ich, ich, ich“, hier gibt es nur ein „HEB DAS AUTO AN!“. Man könnte es auch den „Superman-Moment“ nennen. Und wir alle haben diesen Superman in uns, vielleicht hast Du ihn noch nie gebraucht, aber glaub an seine Existenz.

Wilde Entschlossenheit

Die Dritte und sehr lebenswichtige Komponente im Kampf der Willensstärke ist der Kampf bis zum Tod – wilde Entschlossenheit. Wenn die Grizzlybärin ihre Jungen verteidigt wird sie bis zum Tod kämpfen. Sie wird bewusst ihr Leben opfern, um ihre Babys zu retten. Dies ist die „kein Aufgeben, kein Rückzug“-Mentalität, welche Dir die wilde Entschlossenheit eines eingeengten wilden Tieres gibt. Der männliche Grizzly spürt diesen Geisteszustand, was dem Weibchen einen entscheidenden psychologischen Vorteil verschafft. Das Wissen, dass Du bis zum Tod kämpfen würdest ist ein kraftvoller Zaubertrank. Viele von uns werden nie wissen, ob sie bis zum Tod kämpfen würden oder könnten. Das zeigt uns zum Glück, dass unsere Gesetze, unser System und unsere individuellen moralischen und ethischen Grundsätze im Allgemeinen gut funktionieren. Doch gibt es auch mitten unter uns Menschen, die es beabsichtigen uns zu schaden. Und sie werden es in die Tat umsetzen, wenn sie die Gelegenheit haben. Wir wünschen uns, dass dein Weg nie von diesem Bösen gekreuzt wird. Aber für die Krieger, die die Gefahr sehen, wo andere blind sind, gibt es keinen Zweifel an der Frage, ob sie bis zum Tod kämpfen würden. Du kennst die Antwort bereits!

Der Kampf an zwei Fronten

Wir erkennen also, dass Konflikte immer an zwei Fronten geführt werden – der psychologischen und der körperlichen. In einer konventionellen Konfrontation, in den kurzen Sekunden vor dem ersten Schlag, hat der Kampf der Köpfe bereits begonnen und der Kampf des Willens ist im vollen Gange. Im Falle eines überraschenden Angriffs oder Hinterhalts beginnt der psychische Kampf simultan mit der physischen Auseinandersetzung, trotzdem findet er während der gesamten Konfrontation statt.
In jedem Fall, wenn alle anderen Faktoren (Größe, Stärke und Geschicklichkeit) gleich sind, wird der Kämpfer mit dem psychologischen Vorteil gewinnen. Und in vielen Fällen, in welchen der Gegner größer, stärker und geschickter ist, wird derjenige mit der größten Entschlossenheit, der größten Willenskraft den Kampf für sich entscheiden.

Werde ein Krav-Maga-Bär

Wenn dein Gegner spürt, dass er gegen einen wahren Krieger kämpft, dessen Maxime die Folgenden sind:
„Ich kämpfe für einen gerechten Zweck. Ich werde dich töten, wenn es sein muss. Es ist mir egal, was mit mir passiert und ich kämpfe bis zum Tod.“, wird er sofort wissen, welchen Preis er für seinen Fehler zahlen muss. In diesem Moment ahnt er, dass er sich mit einem  2,5-Meter-großen KRAV-MAGA-BÄR angelegt hat, seine Entschlossenheit wird bröckeln und Du wirst dich durchsetzen. In sehr vielen Fällen bestimmt der Kampf der Köpfe den Ausgang des Kampfs der Fäuste. Um zu gewinnen musst Du geistig und körperlich bewaffnet und bereit sein an beiden Fronten zu kämpfen.

Bei uns von Krav Maga Global lernst Du nicht nur deine körperlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Wir legen zusätzlich viel Wert darauf, dass Du “Streetsmart” wirst. Wir zeigen Dir, wie Du deine situative Wahrnehmung steigerst, Konflikte besser einschätzt und unter Stress angepasste Entscheidungen triffst und zielorientiert agierst.

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Dez 07
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